Vasektomie

Es gibt nur wenige medizinische Eingriffe, über die so viel diskutiert wird bzw. sich Gerüchte ranken wie die Vasektomie. Dabei stellt diese Form der Schwangerschaftsverhütung eine der sichersten und nebenwirkungsärmsten Methoden dar. Während bei der Unterbindung der Frau eine Allgemeinnarkose notwendig ist und dieser Eingriff in der Bauchhöhle stattfindet, ist beim Mann lediglich eine lokale Betäubung und ein kleiner Riss in der Mitte des Hodensackes notwendig.        

Ich biete die schonendste Form der Vasektomie an - es ist dies die sogenannte No-Scalpel-Technik. Es handelt sich dabei um einen ambulanten Eingriff (meist Freitag nachmittags), sodass Sie sich über das Wochenende erholen können. Der Eingriff dauert ca. 15 Minuten und er ist nur mit minimalen Risiken verbunden. Die Operation ist abgesehen vom Einspritzen des Betäubungsmittels absolut schmerzfrei, sollte das nicht der Fall sein, so kann man jederzeit Betäubungsmittel nachspritzen.                           

Sollten Sie an dieser Form der Schwangerschaftsverhütung interessieret sein, so darf ich Sie bitten einen Vorbesprechungstermin (am besten mit Ihrer Partnerin) in meiner Ordination zu vereinbaren. Dabei erkläre ich Ihnen den Eingriff und ich mache auch eine kurze Untersuchung des äußeren Genitales inkl. Ultraschall, sodass ich sicher bin, das alles medizinisch in Ordnung ist. Danach vereinbaren wir den Termin zur Operation. Immer mehr Paare entscheiden sich für diese Form der Schwangerschaftsverhütung und das ist auch gut so.                                                                    

Nach erfolgreicher Operation bringen sie dann die Kontrollsamenproben in meine Ordination (Behälter erhalten Sie von mir). Wenn dann in 2 Samenproben keine Spermien mehr nachweisbar sind, dann gelten Sie als erfolgreich sterilisiert und ab dann ist ungeschützter Geschlechtsverkehr erlaubt.


Sehr geehrter Patient! 

Sie haben sich nach reiflicher Überlegung für eine Sterilisation (Unterbindung der Samenleiter = Vasektomie) entschieden. Mit dieser Operation erreicht man eine dauerhafte Unfruchtbarkeit. Gerade herkömmliche Methoden der Empfängnisverhütung sind weniger sicher als eine Unterbindung der Samenleiter und zum Teil mit Nebenwirkungen belastet (z. B. langfristige Pilleneinnahme, Kondom, Komplikationen nach Eileiterunterbindung). Aus dieser Sicht stellt die Vasektomie eine nebenwirkungsarme und verläßliche Methode für die Familienplanung dar. Vor diesem Eingriff müssen Sie allerdings die Operation, die Risiken und Folgen der geplanten Maßnahme kennen und in weiterer Folge auch schriftlich Ihr Einverständnis zu diesem Eingriff dokumentieren. In diesem Aufklärungsblatt sind nun wichtige Punkte angeführt, die Sie sich bitte durchlesen sollten. Sollten noch weitere Fragen auftauchen, so bitten wir Sie diese mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.
 

Was sollte vor dem Eingriff bedacht werden?

Die Sterilisationsoperation bei der die Samenleiter des Mannes unterbunden werden stellt heute die sicherste Methode dar, um eine anhaltende Unfruchtbarkeit zu erzielen. Da die Unterbindung der Samenleiter eine endgültige Operation darstellt, sollte man sich natürlich über die Tragweite bewußt sein. Es sollte die Familienplanung abgeschlossen sein und es sollte eine stabile Beziehung mit der Partnerin bestehen. Eine spätere Rückoperation ist zwar möglich, die Erfolgsrate daß die Samenleiter dann wieder durchgängig sind, liegt zwischen 70 und 80 %. Man weiß auch, daß nach der Vasektomie die Samenqualität sich so verschlechtern kann, daß eine Befruchtung auf natürlichem Wege zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr möglich ist. Somit sollten Sie die Vor- und Nachteile Ihres Entschlusses gründlich abwägen und Sie sollten 100 % diesen Eingriff wünschen, sonst könnte zu einem späteren Zeitpunkt eine psychische Beeinträchtigung (Sterilisationsneurose) auftreten, wenn dieser Entschluß nicht aus voller Überzeugung getroffen wurde.
 

Wann ist eine Sterilisation sinnvoll?

Das gesetzliche Mindestalter für diesen Eingriff beträgt in Österreich derzeit 25 Jahre. Für die Krankenkassen erfüllt dieser Eingriff jedoch nicht die  Kriterien einer Krankenbehandlung und somit werden die Kosten von den Kassen nicht übernommen (Ausnahme sind genetische Störungen, die auf ein Kind übertragen werden können). 

Auch bei technisch einwandfreier Durchführung des Eingriffes kann es in Einzelfällen durch spontane Rekanalisation zur unerwünschten neuerlichen Durchgängigkeit der Samenleiter kommen. Aus diesem Grund müssen nach der Vasektomie mehrere Spermiogramme abgegeben werden um den kompletten Verschluß nachzuweisen. Der Zeitplan ist im unteren Punkt angeführt. 

Sollte sich unerwarteter Weise Ihre persönliche familiäre Situation durch eine Trennung, einen Todesfall oder eine neue Partnerschaft verändern und mit der Partnerin neuerlich ein Kinderwunsch in einer späteren Lebensphase eintreten, so können die Samenleiter mit einer mikrochirurgischen Operationstechnik neuerlich zusammengenäht werden. Die Durchgängigkeitsrate liegt zwischen 70 % und 80 %, somit besteht die Chance, daß eine natürliche Befruchtung nach erfolgter Rückoperation sehr wahrscheinlich ist. Allerdings muß nochmals darauf hingewiesen werden, daß die Vasektomie eine endgültige Operation sein sollte und daß die Rückoperation ebenso von den Krankenkassen nicht bezahlt wird und die Operationskosten etwa 2500.- € betragen. Auch bei bleibend verschlossenen Samenwegen gibt es in der modernen Reproduktionsmedizin Möglichkeiten mit einzelnen Samenzellen Schwangerschaften zu erzielen (intrazelluläre Spermieninjektionstechnik). 

 

Operationstechnik:

An unserer Abteilung wird die messerlose Samenleiterunterbindung (No Scapel-Vasektomie) durchgeführt. Diese Methode stellt die modernste Art der Samenleiterdurchtrennung dar und wird in der Regel in lokaler Betäubung durchgeführt. Bei dieser Operation wird zuerst lokales Betäubungsmittel entlang der beiden Samenstränge eingespritzt, um die Haut und das Operationsgebiet schmerzunempfindlich zu machen. Mit einer Dissektionsklemme wird die Hodenhaut entlang der Hautfasern gespreizt, um eine möglichst blutungsarme Operation zu ermöglichen. Durch diese Technik kann auf einen Hautschnitt verzichtet werden und es wird damit eine Verletzung der unter Haut liegenden Blutgefäße vermieden. In weiterer Folge wird der Samenleiter mit einer Klemme soweit freipräpariert, daß er mit einem Spezialinstrument gefaßt werden kann. Es wird dann ein Stück des Samenleiters herausgeschnitten und unter dem Mikroskop untersucht.  Die beiden Samenleiterenden werden mit einem Elektrokauter verkocht, sodaß das Gefäß nicht mehr duchgängig ist. Es wird noch zusätzlich eine Unterbindung der Samenleiter mit einem Faden, der sich nicht von selber auflöst, durchgeführt. Die beiden Samenleiterenden werden dann so in das Hodenfach zurückverlagert, daß noch eine Bindegewebsschicht zwischen den beiden Enden liegt, sodaß man mit 99,9%iger Sicherheit davon ausgehen kann, daß es zu keiner Rekanalisierung kommt (Wiederzusammenwachsen der Samenleiter). Die beiden Samenleiterenden werden dann in den Hodensack zurückverlagert und die kleine Wunde verschließt sich ohne Anlegen einer Hautnaht von selbst. Die Operationszeit selbst beträgt ca. 20 min. Um den Erfolg auch zu dokumentieren sind in weiterer Folge Samenproben notwendig. Die erste Samenprobe sollte 8 Wochen nach der Operation und dann in Abstand von 4 Wochen so lange abgegeben werden, bis in 3 Samenproben keine weiteren Samenzellen mehr nachweisbar sind. Somit ist der Zeitpunkt der endgültigen Unfruchtbarkeit im Minimum 4 Monate nach dem Eingriff erreicht, es kann allerdings auch ein ½ bis ein ¾ Jahr dauern bis die endgültige Unfruchtbarkeit bestätigt wird.
 

Nebenwirkungen der Vasektomie

Wie bei jedem operativen Eingriff kann es auch bei der Vasektomie zu Einblutungen und Wundinfektionen als Operationsfolge kommen, diese sind in der Regel harmlos und nur von kurzer Dauer. Sie sind allerdings dringend aufgefordert sich bei Beschwerden unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben. Die früher veröffentlichte Behauptung, daß durch die Vasektomie Prostatakarzinome (Prostatakrebs) ausgelöst werden kann, sind durch Studien und sorgfältige Analysen widerlegt worden. Man muß allerdings darauf hinweisen, daß das Prostatakarzinom das häufigste Krebsleiden des Mannes ist und wir deshalb ab dem 50. Lebensjahr eine jährliche urologische Kontrolluntersuchung empfehlen. Erektionsstörungen und Impotenz werden nach dem heutigen Stand der Wissenschaft durch die Vasektomie weder gefördert noch ausgelöst. Die Produktion der männlichen Sexualhormone wird ja durch die Vasektomie nicht beeinflußt, da das Testosteron über den Blutweg abtransportiert wird.
 

Komplikationen

  • Verletzungen von Gefäßen mit der Gefahr einer Mangeldurchblutung der Hoden (Folge: Hodenschrumpfung=Atrophie), insbesondere nach Voroperation;

  • Blutungen oder Nachblutungen (0-15% der Fälle), die auch noch 24 Stunden nach dem Eingriff einsetzen können;

  • Schmerzen in der Leistengegend (0-5%), die meist innerhalb des ersten Jahres auftreten;

  • Infektionen im Wundgebiet (0-15%);

  • Nebenhodenentzündung und Hodenabszesse (0,5-5%). Insbesondere nach Vorerkrankungen ist diese Gefahr deutlich erhöht. Durch Gabe von Antibiotika und durch kühlende Umschläge klingt in vielen Fällen die Entzündung wieder ab. Ein Abszeß muß in der Regel operativ behandelt werden. Im Extremfall ist mit einer vollständigen Entfernung des betroffenen Nebenhoden-Hodenpakets zu rechnen;

  • Bildung von  knotenförmigen Bindegewebswucherungen (4-10%) durch Austritt von Samenfäden in das umliegende Gewebe (Spermagranulombildung) oder durch Fremdkörperreaktion auf das Nahtmaterial (Fadengranulom);

  • erneute Zeugungsfähigkeit (0,4-0,8%) durch ein- oder beidseitiges Zusammenwachsen der unterbrochenen Samenleiterenden;

  • Bildung von auffälligen, dicken, wulstigen, verfärbten und/oder schmerzhaften Narben (Narbenwucherung, Keloid).
     

Weitere Beachtung

Wie erwähnt wird dieser Eingriff normalerweise in lokaler Betäubung durchgeführt. Beachten Sie allerdings, daß Sie nach dem Gesetzt für 24 Stunden nicht verkehrstauglich sind und somit auch für diesen Zeitraum kein Fahrzeug lenken dürfen, keine gefährlichen Maschinen betätigen dürfen und auch keine wichtigen Entscheidungen treffen sollten.
 

Worauf ist nach der Operation zu achten

  • Handeln Sie unbedingt nach den Anordnungen Ihres Arztes. Bitte halten Sie auch die Termine zur Nachuntersuchung ein.

  • Bei anhaltenden Schmerzen, starker Schwellung, Blutaustritt, Verfärbung des Hodensackes und Fieber wenden Sie sich bitte an den behandelnden Arzt bzw. an den diensthabenden Arzt der Urologischen Abteilung.
     

Einwilligungserklärung

Über die geplante Operation und die möglichen Komplikationen wurde ich ausführlich informiert. Ich bin mir über die Art und Bedeutung des Eingriffes, den speziellen Risiken und möglichen Komplikationen im Klaren. Ich habe den Inhalt dieses Aufklärungsbogens sowie die zusätzlich erfolgte mündliche Aufklärung verstanden und keine weiteren Fragen. Ich willige hiermit nach ausreichender Bedenkzeit in die geplante Operation ein. Mit unvorhersehbaren erforderlichen Erweiterungen des Eingriffes bin ich ebenso einverstanden.